Wachsende Geschäftschancen im TVET-Sektor in der Mongolei
iMOVE lud am 11. Juni 2026 zusammen mit der Commit Project Partners GmbH zu einem Webinar zu sich entwickelnden Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Mongolei ein. Die Veranstaltung richtete sich an deutsche Unternehmen aus dem TVET-Sektor, die sich über Marktmöglichkeiten in der Mongolei informieren wollten.
Wirtschaftliches Potential der Mongolei
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Durchführer Commit Project Partners GmbH, vertreten durch Viktor Kruschinski und dem Fachpartner iMOVE, vertreten durch Franziska Hueske, folgte eine wirtschaftspolitische Einführung in den Markt der Mongolei. Viktor Ebel, Direktor Kasachstan, Kirgistan und Mongolei bei Germany Trade and Invest (GTAI), schilderte, dass der Bergbau nach wie vor das Rückgrat der mongolischen Wirtschaft bleibt. Vor allem die Förderung von Kohle und Kupfer dominieren aktuell den Bergbau in der Region. Die Abhängigkeit zum chinesischen Absatzmarkt und die sinkende Nachfrage nach Kohle im Nachbarland lässt die Regierung der Mongolei umdenken. Die Politik setzt auf "Megaprojekte", die wirtschaftliche und energetische Diversifizierung bringen sollen. Hierbei sind vor allem Industrieprojekte in Planung sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Transportinfrastruktur. Ebenfalls stellt Ebel das bislang ungenutzte Potential des Abbaus von kritischen Rohstoffen heraus – Lithium und Seltene Erden. Hinzu rückt die Veredelung von Rohstoffen mehr in den wirtschaften Fokus des Landes.
Best Practice-Beispiel Mongolei: Technologietransfer und Fachkräftegewinnung für die deutsche Bauwirtschaft
Das Unternehmen Bau Bildung Sachsen e.V. (BBSN) führte eindrucksvoll aus, wie eine Kooperation zwischen Deutschland und der Mongolei aussehen kann. Dr. Jens-Uwe Strehle, Geschäftsführer von BBSN, berichtete von einem Projekt, bei dem eine Trinkwasseraufbereitungsanlage am Institute of Engineering and Technology in Ulan Bator eingerichtet wurde. Die Schulungsanlage für die Aufbereitung von Trinkwasser dient als Übungsmöglichkeit, um Lehrmaterialien zum Thema Trinkwasserreinigung und -desinfektion bereitzustellen und neu entwickelte Trainingsmodule in den Lehrplan aufzunehmen.
Auch für die Fachkräftegewinnung für Deutschland bietet BBSN eine etablierte Lösung. In Partnercolleges bzw. Sprachschulen werden die mongolischen Fachkräfte sprachlich bis mindestens zum B1-Niveau ausgebildet. Strehle führte aus, dass die Vermittlung zu deutschen Ausbildungsfirmen in Sachsen, die Vorbereitung auf Online-Interviews, die Unterstützung beim Visa-Prozess und der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags ebenso zu den Dienstleistungen gehören, wie die Betreuung im ersten Lehrjahr.
Enkhbold Erdenedelger, Executive Director des Skills and Industry Council Mongolia (SIC), betonte die Wichtigkeit des Ausbaus der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Mongolei. Der Arbeitsmarkt verlange stetig nach neuen Fähigkeiten, weil sich die Wirtschaft des Landes dynamisch verändert. Diese Lücke gilt es mit Hilfe von (unter anderem) deutschen Bildungsanbietern zu schließen. Ivo Runge, IHK Karlsruhe, machte die Teilnehmenden noch auf eine Besonderheit des mongolischen Marktes aufmerksam: Im Land selber gibt es keine deutsche Auslandshandelskammer (AHK), jedoch bietet die IHK Karlsruhe (Länderschwerpunkt Mongolei) und der Deutsch-Mongolische Unternehmensverband (DMUV) Angebote, um Firmen bei einem möglichen Markteintritt zu beraten.
Marktchancen im Bereich der Aus- und Weiterbildung
Die Mongolei steht vor großen Herausforderungen. Die geplanten Großprojekte sollen dazu beitragen, sowohl die Industrie als auch die Energieversorgung breiter aufzustellen. Dafür werden jedoch viele qualifizierte Fachkräfte benötigt, die derzeit noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Deshalb gewinnen die Aus- und Weiterbildung in technischen Berufen sowie die Qualifizierung von Lehrkräften zunehmend an Bedeutung. Auch die Entwicklung moderner Lehr- und Lernkonzepte und die Einführung praxisorientierter Ausbildungsmodelle stehen stärker im Mittelpunkt staatlicher Reformen und internationaler Zusammenarbeit. Der Bund zwischen Deutschland und der Mongolei eröffnet neue Chancen: durch eine enge Kooperation zwischen beiden Ländern kann die deutsche Expertise in der beruflichen Aus- und Weiterbildung dazu beitragen, Fachkräfte zu qualifizieren, und die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gemeinsam zu gestalten.
Ausblick: Markterkundungsreise
Das Webinar diente als Vorbereitung für die anstehende Markterkundungsreise in die Mongolei. Vom 28. September bis 02. Oktober 2026 führt Commit Project Partners GmbH, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), eine Markterkundung in die Mongolei durch. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit iMOVE im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Mongolian Employers‘ Federation (MONEF) durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine projektbezogene Fördermaßnahme im Rahmen des Markterschließungsprogramms für KMU. Zielgruppe sind vorwiegend kleine und mittlere deutsche Unternehmen.
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