Pakistan: Erfolgreiche Bildungskooperationen brauchen lokale Netzwerke

Pakistan bietet attraktive Chancen für die deutsche Bildungswirtschaft – von Kooperationen in der beruflichen Bildung über Fachkräftegewinnung bis hin zu Frauenförderung und MINT-Ausbildung. Entscheidend für nachhaltigen Erfolg ist dabei vor allem eines: der Aufbau belastbarer Beziehungen und eine starke Präsenz vor Ort.

Gruppenbild

Zum Auftakt der Informationsveranstaltung im Rahmen des BMWE-Markterschließungsprogramms stellte Josefine Deininger von Germany Trade & Invest (GTAI) das Markterschließungsprogramm vor und gab Hinweise zu aktuellen Delegationsreisen. Dabei unterstrich sie die Bedeutung der Fachpartnerschaft mit iMOVE im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

Rahmenbedingungen

Ihr Kollege Ulrich Binkert, Wirtschaftsexperte für Pakistan, und Florian Walther, Pakistan Representative der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer, präsentierten wichtige ökonomische Rahmendaten des Landes.

Chancen:

  • Große und durchschnittlich sehr junge Gesellschaft
  • Vor allem junge Menschen sind agil, kontaktfreudig und sehr IT-affin, aber der Arbeitsmarkt kann bei weitem nicht alle aufnehmen
  • Es gibt einen großen Bedarf an formeller beruflicher Bildung, da bislang nur zwischen sechs und zehn Prozent der Bevölkerung über eine solche verfügen
  • Gute Wachstumsraten in der Industrie
  • 44 Sonderwirtschaftszonen
  • Geschäftsklima relativ gut
  • Inflation gesunken
  • Solar-Boom senkt Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
  • Englisch ist in der Arbeitswelt weit verbreitet

Risiken:

  • Geringe Wirtschaftsleistung insgesamt, Dominanz der Textilindustrie
  • Es gibt Probleme mit Korruption und Einhaltung der Rechtstaatlichkeit
  • Großes Handelsbilanzdefizit, hohe Schulden
  • Hohe Preissensibilität
  • Abhängigkeit von Überweisungen pakistanischer Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Golfstaaten
  • Einfluss des Militärs in der Wirtschaft
  • Abhängigkeit von Energieimporten
  • Langjährige Partnerschaft mit China (dominierender Lieferant für Maschinen und Elektrotechnik, dominierender Partner bei Investitionen und Abbau im Bergbau)

Usama Munir von der Kanzlei Schlüter & Graf gab einen Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach seinen Worten ist es relativ einfach, ein Unternehmen in Pakistan zu gründen; nur in manchen Verträgen mit der Regierung sind lokale Partner vorgeschrieben. Er wies auch darauf hin, dass für bestimmte Branchen unterschiedliche Regeln in verschiedenen Provinzen gelten, mit denen man sich vertraut machen sollte.

Blick in den Seminarraum auf die sich unterhaltenden Teilnehmenden

Konkrete Partnerschaftssuche

Adnan Younis Lodhi berichtete von dem großen Interesse der GIFT University, Partner aus der deutschen Bildungswirtschaft zu finden. Die private Hochschule in Gujranwala (Provinz Punjab) befindet sich im industriellen Zentrum des Landes und unterhält enge Kontakte mit mehreren Unternehmensclustern in verschiedenen Branchen.

Sie verfügt über eine eigene Sprachschule und sucht Unterstützung bei der Etablierung zertifizierter Kurse in innovativen technischen Bereichen und Programmen zum Thema Entrepreneurship sowie bei der Vorbereitung und Vermittlung von Fachkräften für den deutschen Arbeitsmarkt. Mit ihren rund 70 Prozent weiblichen Studierenden widmet sie sich besonders dem Thema "Women Empowerment".

zwei Männer im Dialog

Weitere Projekte und Aktivitäten

Daniel Gautsch stellte die bisherigen Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Pakistan vor, etwa zur Reintegration von Fachkräften nach Auslandsaufenthalten. In Zusammenarbeit mit dem Ministry of Overseas Pakistanis and Human Resource Development soll ein Migrationssteuerungsgremium aufgebaut werden. Die Angst von den Folgen irregulärer Migration ist in Pakistan groß.

Bassant Helmi vom Women in Business Network informierte über eine geplante Partnerschaft mit der International Women's Chamber of Commerce in Islamabad zur Fachkräftegewinnung in den Bereichen IT und MINT. Ziel ist es, zunächst 20 junge Frauen in Pakistan zu Tätigkeiten in diesen Bereichen zu inspirieren.

Annika Schwaegerl von Euro Centra Pakistan (Sourcing-Unternehmen der Wünsche Group) berichtete aus Unternehmenssicht, dass eine Firma in Pakistan sehr gute Voraussetzungen vorfinden und damit auch erfolgreich aktiv sein kann. Sie betonte, ebenso wie die Mehrzahl der übrigen Sprecherinnen und Sprecher, dass der Beziehungsaufbau vor Ort außerordentlich wichtig für eine Geschäftstätigkeit ist und am besten über eine intensive Präsenz oder Vertretung im Land bewerkstelligt werden kann.