Talent Pool Asia • Fachkräfteeinwanderung muss noch attraktiver werden

Unter dem Titel 'Building Bridges to Overcome Skills Shortages in 2024' organisierte der OAV gemeinsam mit iMOVE und Ernst & Young am 15. März 2024 eine Panelveranstaltung zu Lösungsansätzen für den Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen. Das Event mit rund 65 Teilnehmenden war Teil der OAV-Veranstaltungsreihe 'Talent Pool Asia' und des Rahmenprogramms des OAV-Liebesmahls.

Sprecher sitzen beim ersten Panel auf dem Podium
OAV - German Asia-Pacific Business Association

In der Hamburger Handelskammer trafen sich Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen mit Gästen aus Asien zu zwei Paneldiskussionen.

In seiner Begrüßung hob der Vorsitzende des Ostasiatischen Vereins (OAV) Arnd Nenstiel, hervor, dass viele Menschen aus Asien ein deutliches Interesse an einem Arbeitsplatz in Deutschland haben, was sich auch in jüngst geschlossenen Mobilitätsvereinbarungen Deutschlands mit Ländern wie Indien und Vietnam zeigt.

Dennoch bleiben nach seinen Worten die Rekrutierung und die langfristige Sicherung qualifizierten Personals eine große Herausforderung für Unternehmen.

  • Sprecher während seines Betrags

    Arnd Nenstiel, Vorsitzender OAV

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • Sprecher während seines Beitrags

    Ralph Appel, Präsident Engineers Europe

    OAV - German Asia-Pacific Business Association

Dies bestätigte in seiner Keynote Ralph Appel, Präsident von Engineers Europe, dem Dachverband von mehr als 350 nationalen Ingenieur-Vereinigungen aus 33 Ländern mit rund sechs Millionen Mitgliedern.

Ihm zufolge fehlen in den Unternehmen bereits heute zwei Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund fünf Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Neben dem quantitativen und qualitativen Fachkräftemangel fehlt es nach seinen Worten aber auch an koordinierten Maßnahmen, um diesen Mangel zu beheben.

Als Lösungsansätze nennt er unter anderem Mentorenprogramme, Integrationshilfen für Studienabsolventinnen und Studienabsolventen und ihre Familien sowie Informations- und Netzwerkplattformen.

  • Nahaufnahme Moderator

    Panel "Rekrutierungsstrategien deutscher Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten in Asien"

    von links: Markus Heinen von Ernst & Young, Benedict Kothe von Jungheinrich Lift Truck Singapore, Dr. Astrid Petersen von der TÜV Nord Group und Dr. Susanne Lehmann von Volkswagen Group Malaysia, Moderator Fabian Kuhnt
    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • Mann auf dem Podium während er spricht

    Markus Heinen

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • zwei Männer auf dem Podium, einer spricht

    es spricht Benedict Kothe

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • drei Personen sitzen auf dem Podium, eine Frau spricht

    es spricht Dr. Astrid Petersen

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • drei Referenten sitzen auf dem Podium, eine Referentin spricht

    es spricht Dr. Susanne Lehmann

    OAV - German Asia-Pacific Business Association

Rekrutierungsstrategien deutscher Unternehmen

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten Dr. Astrid Petersen von der TÜV Nord Group, Dr. Susanne Lehmann von Volkswagen Group Malaysia, Benedict Kothe von Jungheinrich Lift Truck Singapore und Markus Heinen von Ernst & Young.

Es ging um Rekrutierungsstrategien deutscher Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten in Asien. Wegen der dynamischen asiatischen Arbeitsmärkte sind die Unternehmen häufig mit hohen Wechselraten bei ihren Angestellten konfrontiert. Diese zeichnen sich durch ein großes Interesse an höherer Bildung, Neugier und Agilität sowie ein hoch kommunikatives Verhalten, vor allem in Social Media, aus.

Wer örtliche Fachkräfte halten will, muss ihre Bedürfnisse kennen und konkret darauf eingehen. Da beispielsweise längerfristig kranke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leichter gekündigt werden können als in Deutschland, sind Beschäftigungsangebote, die einen höheren Kündigungsschutz vorsehen, sehr begehrt und sorgen für eine starke Unternehmensbindung.

  • Moderator und vier Panelisten sitzen auf dem Podium

    Panel "Chancen und Herausforderungen bei der Vermittlung und Integration asiatischer Fachkräfte in Deutschland"

    von links: Tim Miller (Certif-ID), Professor Dr. M. Tuan Nguyen (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit), Joachim Glendenberg (WBS Language School), Preeti Bendele (Hapag-Lloyd Academy), Moderator Enrico Rühle
    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • Nahaufnahme des Moderators

    Moderator Enrico Rühle

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • ein Mann und eine Frau sitzen auf dem Podium nebeneinander, die Frau spricht

    Joachim Glendenberg (links), Preeti Bendele (rechts)

    OAV - German Asia-Pacific Business Association
  • zwei Männer sitzen auf dem Podium und lachen

    Tim Miller (links),Professor Dr. M. Tuan Nguyen (rechts)

    OAV - German Asia-Pacific Business Association

Vermittlung und Integration asiatischer Fachkräfte in Deutschland

Am zweiten Panel nahmen Preeti Bendele von der Hapag-Lloyd Academy, Professor Dr. M. Tuan Nguyen von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Joachim Glendenberg von der WBS Language School und Tim Miller von Certif-ID teil.

Sie sprachen über Chancen und Herausforderungen bei der Vermittlung und Integration asiatischer Fachkräfte in Deutschland. Aus ihrer Sicht hat das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Fachkräftemigration nach Deutschland zwar attraktiver gemacht, aber noch nicht attraktiv genug. Außerdem ist es offenbar wegen seiner Komplexität noch nicht bei allen umsetzenden Stellen vollständig verstanden.

Mehr und bessere Informationen, beispielsweise von Unternehmensverbänden für ihre Mitglieder, werden als notwendig betrachtet, ebenso besseres Marketing für den Standort Deutschland, eine bessere Willkommenskultur und mehr Mut der Unternehmen. Spracherwerb, großer bürokratischer Aufwand und hohe Mieten für Unterbringung bleiben wichtige Herausforderungen. Außerdem wurde der Wunsch laut, dass die deutsche Seite verstärkt über ihre Standards und Normen nachdenken sollte statt nur einseitig Anpassungen von Migranten zu verlangen. Tatsächliche Kompetenzen, so die Panelisten, werden in Zukunft wichtiger als formelle Bildungsabschlüsse.

Die Veranstaltung trug dazu bei, den Dialog zwischen asiatischen und deutschen Unternehmen im Rahmen einer Austausch- und Lernplattform für Verantwortliche in Unternehmen und speziell in der Personalführung fortzuführen und auszubauen.