Energiewende im Pazifik - Neue Perspektiven für deutsche Bildungsanbieter

Die Pazifischen Inselstaaten gewinnen als potenzielle Kooperationspartner an Bedeutung, besonders beim Ausbau erneuerbarer Energien. Das war Thema bei der Informationsveranstaltung am 5. Mai 2026, bei der sich deutsche Bildungsanbieter mit Partnern aus der pazifischen Region vernetzten.

Silhouette einiger Windturbinen im Sonnenuntergang

Die German-New Zeeland Chamber of Commerce (AHK Neuseeland) führte die Informationsveranstaltung mit iMOVE und dem Ostasiatischen Verein (OAV) als Fachpartner im Rahmen des Markterschließungsprogramms (MEP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durch.

Die Pazifischen Inselstaaten rücken zunehmend in den Fokus internationaler Zusammenarbeit – und das aus gutem Grund. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien entwickelt sich in der Region besonders dynamisch.

Die AHK Neuseeland nahm dies in Fachpartnerschaft mit iMOVE und dem OAV zum Anlass, deutsche Bildungsanbieter in Form einer hybriden Informationsveranstaltung mit Vertretern aus Fidschi und Tonga im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zusammenzubringen.

Blick in die Region

Laut Iris Heinz, Leiterin der DEinternational Projekte & Services der AHK Neuseeland, stehen die Inselstaaten wegen ihrer noch starken Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger und deren aktuell hohen Kosten unter großem wirtschaftlichem Druck. Infolgedessen haben sich die Regierungen in der gesamten Region ehrgeizige Ziele gesetzt, um den Anteil erneuerbarer Energien bis 2035 auf bis zu 100 Prozent zu erhöhen.

Angesichts der geografischen Lage der Inseln spielen dezentrale Lösungen wie Solaranlagen, Mikronetze und Batteriespeicher eine entscheidende Rolle, so Heinz. Neben den Investitionen in entsprechende technische Einrichtungen steht die Qualifizierung von Fachkräften im Fokus, die diese Systeme installieren, betreiben und warten können.

Dies führt zu einer starken und wachsenden Nachfrage nach beruflicher Aus- und Weiterbildung. Insbesondere besteht Bedarf an flexiblen, modularen und oft digital durchgeführten Ausbildungsprogrammen, die Menschen auf abgelegenen Inseln erreichen können.

Die Pazifikinseln sind an vorderster Front vom Klimawandel bedroht, so Enrico Rühle, Geschäftsführer von Smart Industry Campus GmbH und Leiter der TVET Working Group des OAV. Die Energiewende ist nach seinen Worten unumgänglich und muss neben hochwertigen Technologien auch auf eine entsprechende und praxisnahe Qualifizierung von Fachkräften setzen.

Für deutsche Unternehmen bietet dies die klare Chance, nicht nur Technologie zu exportieren, sondern sich als langfristige Partner beim Aufbau lokaler Kompetenzen und Kapazitäten zu positionieren. Dies betonte Silvia Niediek, Regional-Managerin bei iMOVE, und machte die Teilnehmenden auf die verschiedenen Kooperationsmöglichkeiten über iMOVE aufmerksam.

Blick in den Veranstaltungsraum über die Teilnehmer auf die Leinwand mit den zugeschalteten Experten

Potenzial für die deutsche Bildungswirtschaft

Zugeschaltet aus Fidschi, stellte Dr. Eci Tekuru Naisele, Direktor der Kommission für höhere Bildung im Tertiärbereich, die bereits existierenden Ausbildungsinitiativen im Bereich der erneuerbaren Energien vor.

Die Inititativen sind zum jetzigen Zeitpunkt vor allem im universitären Kontext zu finden. Für den Bereich der Berufsbildung sind die Programme zu theoriebasiert, weisen keinen Praxisbezug auf und setzen veraltete Technik ein.

Die Vorteile und die damit verbundenen Chancen, die sich durch eine Kooperation mit deutschen Bildungsanbietern ergeben, sieht Naisele im dualen Ausbildungsmodell, praxisorientierten Lehrplänen, der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, hohen technischen Standards und der modularen Ausbildung.

Vor allem in den folgenden Ausbildungsbereichen ist eine Qualifizierung wichtig:

  • Photovoltaik
  • Batteriesysteme
  • Mikronetze
  • Energieaudits
  • Sicherheitsstandards
  • Klimainfrastruktur
  • Entrepreneurship
  • Projektfinanzierung
  • Qualifizierung von Lehrpersonal (Training of Trainers)

Naisele stellte fest, dass die Energiewende mit einer Veränderung bei den Menschen einhergehen und jetzt in Bildung investiert werden muss.

Gruppenbild

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Informationsveranstaltung

Ebenfalls live zugeschaltet aus Tonga brachte Vilimaka Foliaki, Geschäftsführer der nationalen Akkreditierungs- und Qualifikationsstelle, wichtige Impulse in die Runde.

Foliaki merkte an, dass die Energiewende den Arbeitsmarkt der betroffenen Länder stark verändert und eine Neugestaltung der Qualifikationen daher auch gesellschaftlich ein wichtiger Schritt ist. Nach seinen Worten ist es entscheidend, die Lehrpläne an die neuen Bedarfe der Industrie anzupassen.

Er plädierte für modulares Lernen mit aufeinander aufbauenden Lernmodulen. So können Weiterbildungen oder Umschulungen leichter ermöglicht werden. Er fügte hinzu, dass Curricula einen gelebten Rahmen darstellen, die flexibel an unterschiedliche Bedarfe angepasst werden müssen. Auch für den Bereich der Berufsanerkennung hofft er auf eine Kooperation mit deutschen Bildungsanbietern und deren Expertise.

Zum Abschluss stellte Atesh Gosai, Programm Manager der EU-Delegation Pazifik, die Strategien der Europäischen Union (EU) zu erneuerbarer Energie vor. 

Eine dieser EU-Initiativen ist "Global Gateway", die 2021 ins Leben gerufen wurde und einen Förderumfang von über 300 Milliarden Euro hat. Die Strategie fördert intelligente, saubere und sichere Vernetzung in den Bereichen Digitalwirtschaft, Energie und Verkehr, die gleichzeitig die Gesundheits-, Bildungs- und Forschungssysteme weltweit stärkt.

Er berichtete über ein EU-Pazifik-Wirtschaftsforum auf Fidschi im Jahr 2025, das 2027 erneut durchgeführt werden soll. Ebenso sondiert die EU das Interesse der Privatwirtschaft an der Einrichtung einer EU-Pazifik-Wirtschaftsplattform. Die Energiewende wird von der EU mit hoher Priorität verfolgt, so Gosai. Daher stellt die EU-Kommission Finanzierungswerkzeuge zur Verfügung, um Investitionsbarrieren zu überwinden.

Fazit und Ausblick

Die Vertreterinnen und Vertreter pazifischer Inseln zeigten eindrucksvoll, wie selbst kleinere Märkte durch klare Strategien und ambitionierte Reformen an Attraktivität gewinnen können. Trotz struktureller Herausforderungen entstehen hier spannende Perspektiven für die deutsche Bildungswirtschaft.