Deutsche Bildungsanbieter erschließen Marktchancen in Usbekistan

Vom 1. bis 5. Juni 2026 fand in Usbekistan eine Geschäftsanbahnungsreise für deutsche Anbieter der beruflichen Aus- und Weiterbildung statt. Die Maßnahme wurde im Rahmen des Markterschließungsprogramms für KMU des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) durchgeführt. Organisiert wurde die Reise von der AHK Zentralasien / German Industry and Commerce in Zusammenarbeit mit Commit Project Partners. iMOVE war als Fachpartner eingebunden und begleitete die Reise inhaltlich.

stadtbils tashkent usbekistan

Mit elf deutschen Unternehmen und Organisationen war die Delegation breit aufgestellt. Vertreten waren Anbieter aus den Bereichen berufliche Aus- und Weiterbildung, Sprachqualifizierung, technische Bildung, Pflege, Bau, Logistik, IT, Zertifizierung, digitale Bildung und internationale Fachkräftegewinnung. Die große Beteiligung machte deutlich, dass Usbekistan für deutsche Bildungsanbieter zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Junger Markt mit hoher Reformdynamik

Usbekistan gilt als einer der dynamischsten Märkte Zentralasiens. Seit 2016/2017 verfolgt das Land einen umfassenden Reform- und Modernisierungskurs. Wirtschaftliche Öffnung, Privatisierung, internationale Investitionen und ein starkes Wachstum prägen die Entwicklung. Zugleich ist Usbekistan ein sehr junges Land: Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre.

Vor diesem Hintergrund haben berufliche Bildung, Weiterbildung und Fachkräftemobilität hohe politische und wirtschaftliche Relevanz. Die usbekische Regierung setzt auf die Modernisierung der Berufsbildung, eine stärkere Praxisorientierung und die Einführung dualer Elemente. Nach vor Ort erhaltenen Informationen sollen perspektivisch 40 Prozent der Berufsbildungsangebote dual gestaltet werden. Eine zentrale Herausforderung bleibt dabei die stärkere Einbindung der Unternehmen in Ausbildung und praktische Qualifizierung.

Auch die geregelte Arbeitsmigration spielt eine wichtige Rolle. Seit September 2024 besteht ein Fachkräfteabkommen zwischen Deutschland und Usbekistan, das die legale Arbeitsmigration erleichtern soll. Die neu geschaffene Agency for Migration begleitet migrationswillige Personen und unterstützt vorbereitende Maßnahmen. Rücküberweisungen aus dem Ausland haben für Usbekistan erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung.

ausbildungsraum krankenpflege mit dummie im Bett und einer Ausbilderin

Austausch mit Botschaft, Institutionen und Bildungsakteuren

Die Reise begann in Taschkent mit einem Briefing in der Deutschen Botschaft. Botschafter Manfred Huterer ordnete die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes ein und verwies auf den starken wirtschaftlich-technologischen Aufschwung sowie die zunehmende internationale Vernetzung Usbekistans. Deutschland gilt in Usbekistan als wichtigster Partner innerhalb der Europäischen Union.

Weitere Beiträge kamen unter anderem von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien, der GIZ, der KfW, dem Goethe-Institut, der Schneider Group sowie iMOVE. Im Mittelpunkt standen Marktchancen für deutsche Bildungsanbieter, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie Kooperationsmöglichkeiten in der Berufsbildung.

Im Anschluss besuchte die Delegation mehrere Bildungseinrichtungen in Taschkent, darunter berufliche Schulen, die New Uzbekistan University und das Goethe-Institut. Dabei wurde deutlich, dass die Vorbereitung auf Ausbildung und Beschäftigung in Deutschland bereits an vielen Stellen präsent ist. Deutschkurse werden nicht nur vom Goethe-Institut, sondern auch an beruflichen Schulen, Ausbildungszentren und privaten Einrichtungen angeboten. Besonders sichtbar war der Bedarf in Pflegeberufen, daneben aber auch in technischen Berufen, Logistik und weiteren Qualifizierungsfeldern.

gruppe auszubildender in einem klassenraum

Präsentationsveranstaltung und B2B-Gespräche in Taschkent

Am 2. Juni fand in Taschkent eine Präsentations- und B2B-Veranstaltung statt. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Agentur für berufliche Bildung und der Agentur für Arbeitsmigration nahmen zahlreiche Akteure aus dem Regierungs- und Privatsektor teil. Die deutschen Delegationsteilnehmenden präsentierten ihre Angebote und führten anschließend individuelle Gespräche mit möglichen Partnern.

iMOVE stellte die deutsche Bildungswirtschaft im Kontext der praxisorientierten Ausbildung vor. Ein wichtiger Austausch ergab sich unter anderem mit der Vocational Education and Training Agency.

Ein besonders aufschlussreicher Besuch fand bei GloboGate statt. Das Unternehmen bereitet lokal examiniertes Pflegepersonal in Taschkent auf den deutschen Arbeitsmarkt vor. Das Modell verbindet Deutschtraining mit fachlicher Vorbereitung entlang der deutschen Pflegeausbildung und soll Defizite im Anerkennungsverfahren möglichst vorab ausgleichen. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits mehr als 500 Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt.

Regionale Eindrücke in Nawoi und Fergana

Am 3. Juni reiste die Delegation in die Region Nawoi. Dort fanden ein Treffen mit dem Gouverneur der Region sowie eine Präsentationsveranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern der beruflichen Bildung, der Migrationsagentur, Berufsschulen, Sprachschulen und Unternehmen statt. Das große Medieninteresse am Besuch machte deutlich, welchen Stellenwert internationale Bildungskooperationen und Fachkräftethemen auch auf regionaler Ebene haben.

Auch in Nawoi zeigte sich ein starkes Interesse an deutscher Berufsbildung, dualen Ausbildungsansätzen und Kooperationen mit deutschen Bildungsanbietern. Ein Unternehmensbesuch ergänzte das Programm und vermittelte Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Am 4. und 5. Juni setzte die Delegation das Programm in der Region Fergana fort. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche bei technischen und gesundheitlichen Bildungseinrichtungen in Margilan und Quva, darunter Einrichtungen mit Bezug zu dualer Ausbildung und zu Qualifizierungsansätzen im Gesundheitsbereich. Zudem besuchte die Delegation eine Sprachschule in Fergana und kam mit Studierenden ins Gespräch.

Zum Abschluss fand ein Treffen mit dem Gouverneur der Region Fergana sowie eine weitere Präsentationsveranstaltung mit Berufsschulen und Unternehmen aus der Region statt. Auch hier wurden konkrete Anknüpfungspunkte für Kooperationen sichtbar – sowohl für die Modernisierung beruflicher Bildung vor Ort als auch für die Vorbereitung von Fachkräften und Auszubildenden für Deutschland.

Die Reise hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse an Kooperationen mit deutschen Bildungsanbietern in Usbekistan ist – sowohl beim Ausbau der beruflichen Bildung vor Ort als auch bei der Vorbereitung von Fachkräften und Auszubildenden für Deutschland.

Peter Pfaffe, Regional-Manager Zentralasien bei iMOVE

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Gute Perspektiven für deutsche Anbieter

Die Reise zeigte deutlich: Usbekistan bietet deutschen Bildungsanbietern vielfältige Chancen. Diese liegen zum einen im Ausbau und in der Modernisierung der Berufsbildung vor Ort, etwa durch Curriculumentwicklung, Train-the-Trainer-Angebote, technische Ausstattung, Zertifizierung, digitale Lernangebote und Schulkooperationen. Zum anderen ergeben sich Potenziale bei der Gewinnung und Vorbereitung von Fachkräften und Auszubildenden für Deutschland.

Besonders gefragt sind Angebote, die Sprachqualifizierung, fachliche Vorbereitung, Anerkennungsbegleitung, interkulturelle Orientierung und faire Migrationsmodelle miteinander verbinden. Gleichzeitig ist für erfolgreiche Kooperationen entscheidend, Projekte gemeinsam mit usbekischen Institutionen, beruflichen Schulen und Unternehmen zu entwickeln.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr positiv. Mehrere Delegationsmitglieder hoben die hohe Qualität der Organisation, die große Offenheit der usbekischen Partner und die konkreten Gesprächsmöglichkeiten hervor. Sichtbares Ergebnis der Reise war zudem, dass einige deutsche Anbieter bereits vor Ort Absichtserklärungen mit usbekischen Partnern unterzeichneten. Die Reise bot damit eine gute Grundlage, um aus ersten Kontakten tragfähige Bildungs- und Qualifizierungspartnerschaften zu entwickeln.

iMOVE wird die entstandenen Kontakte weiterverfolgen und deutsche Bildungsanbieter bei der Erschließung des usbekischen Marktes weiterhin unterstützen.