Filmproduktion: Kompetenzen fördern – und Zukunft gestalten

In vielen Ländern des Globalen Südens haben Filmschaffende ein Problem: es fehlt an Zugang zu Training, Mentoring und Business-Kenntnissen. Doch dieses Wissen öffnet Türen: zu Märkten, Finanzierung, Publikum.

Ein wichtiger Bereich, in dem die Projekte der Deutsche Welle (DW) Akademie im Bereich Filmförderungen ansetzen, ist der Ausbau von Trainingsprogrammen, die nachhaltigen Wandel stärken. Ein starker Filmsektor baut nicht allein auf Finanzierung auf – er wächst durch die Menschen, Kreativschaffende, mit ihren Fähigkeiten, Netzwerken und dem Selbstbewusstsein, gute Ideen in Karrieren zu verwandeln.

Die Projekte der DW Akademie setzen hier an – und wollen den Sektor durch Entwicklung, Mentorenschaft und den Aufbau solider, betriebswirtschaftlicher Kompetenzen stärken. 

Animation, Mentoring, Business-Lab

Animationsworkshops in Addis Abeba haben zum Aufbau einer neuen, kreativen Community geführt, an einem Ort, wo es vorher kaum derartige Infrastruktur gab. Im Future Mentors Programme werden lokale Mentorinnen und Mentoren ausgebildet, die den Süd-Süd-Austausch und das gemeinsame Lernen stärken. Filmschaffende im Business Lab wurden im Bereich Finanzplanung ausgebildet, um selbst erfolgreiche Kreativunternehmen zu gründen.

Filmschaffende von Accra bis Taschkent erhielten so Zugang zu Trainingsprogrammen, an Orten, wo formales Training vorher kaum möglich war. Ghanas Digitale Filmschule Afrika ging online und bietet Kurse in drei verschiedenen Filmdisziplinen an. Die Film-Schule in Taschkent stärkt die Branche in Zentralasien, brachte Filmemacherinnen mit Mentorinnen und Mentoren zusammen und schuf einen sicheren Raum für LGBTQ+-Filmschaffende. Das Lebanon Series Lab zeigte Drehbuchschreiberinnen und -schreibern, wie Serien-Storytelling gesellschaftlichen Wandel hervorbringen kann – selbst in einem Land in der Krise. Und in Nigeria baute der Partner Ladima die erste Filmschule für Frauen im Land auf. 

All diese Initiativen haben den Wandel hin zu einer Filmlandschaft unterstützt, in der Talent mehr Raum zur Entwicklung findet und weniger abhängig ist vom Standort oder persönlichen Kontakten. Sie alle stärken regionale Expertise und regionale Stimmen. Sie geben Filmschaffenden die Fähigkeiten, ihre kreative Vision in eine Karriere zu verwandeln und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Orte zu leisten, an denen sie leben.  

Animationstraining in Äthiopien: Freie Meinungsäußerung, Bild für Bild

Als Michael Berhanu in seinem Studio ARMA das Projekt "Addis Ababa Animated" (aaa!) erschuf, war sein Ziel, etwas aufzubauen, das er selbst nie kennenlernen durfte: einen Ort, um zu lernen, sich mit anderen zu vernetzen und gemeinsam etwas zu erschaffen. "Es gibt nicht viele Schulen oder Strukturen, die dir dabei  helfen, ein Animator zu werden", sagt er. "Die meisten von uns haben sich das alles selbst beigebracht."

Mit Unterstützung der DW Akademie entstand aaa!, Äthiopiens erstes strukturiertes Animationstraining. Eine erste Ausschreibung bewarb Workshops für Einsteiger und Fortgeschrittene – und über 2.300 Menschen bewarben sich auf die 45 verfügbaren Plätze.   

Für Michael hat die Faszination für Animation eine künstlerische und eine soziale Komponente: "Animation gibt dir die Freiheit, zu erschaffen, was du möchtest." In Äthiopien steht die lokale Filmproduktion vor großen Herausforderungen, und die finanziellen Ressourcen für Ausstattung und Crew sind sehr begrenz. "Für Animation brauchst du dagegen nur einen PC, Software und eine Idee", ergänzt er.  

Und Animation schafft außerdem etwas Außergewöhnliches im streng überwachten Medienbereich in Äthiopien: einen sicheren Rahmen, um auch über sensible Themen zu berichten. "Die Menschen sind extrem vorsichtig, was sie sagen, besonders vor der Kamera", erklärt Michael. "Doch mit Animation kannst du Bilder und Metaphern nutzen, außerdem bietet sie Anonymität."

Die Trainees nutzen genau diese kreative Distanz, um sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen – von Gendergerechtigkeit über sozialen Druck und Migration. Trainee Rufuel Anteneh sagt, die Erfahrung hat die Art und Weise verändert, wie er über Storytelling nachdenkt. "Mit Animation kannst du Dinge ausdrücken, die normalerweise sehr schwer zu sagen sind", erklärt er. "Du kannst über soziale Probleme sprechen, über Träume, über Veränderung."

Das Programm hat außerdem den weiteren Austausch mit der Community angeregt: eine Telegram-Gruppe mit 1.000 Mitgliedern ermöglicht es, in Kontakt zu bleiben und Hilfe von anderen zu erhalten.

Aktuell arbeitet Anteneh am ersten animierten Spielfilm des Landes. Er lächelt, wenn der darüber spricht: "Es wird wie 'Toy Story' aus Äthiopien". 


Quelle: Deutsche Welle - DW Akademie, akademie.dw.com, 13.03.2026