Pflegeausbildung im Fokus: Deutsch-Chinesischer Wissenstransfer und Zusammenarbeit
Am 28. Oktober 2026 veranstaltete die iMOVE-Kontaktstelle China die Online-Veranstaltung "Pflegeausbildung: Chancen für deutsch-chinesische Zusammenarbeit". Rund 60 Teilnehmende aus China und Deutschland tauschten sich in der rund 100-minütigen Veranstaltung über Entwicklungen, Praxiserfahrungen und mögliche Kooperationen in der Pflegeausbildung aus.
Begrüßung und Einführung
Die Veranstaltung eröffnete Kristine Faenger, Leiterin von iMOVE. Anschließend stellte Yun Yue, Repräsentant der iMOVE-Kontaktstelle China, die Arbeit der Kontaktstelle vor. Sie unterstützt dabei, deutsche Bildungsanbieter und internationale Partner zusammenzubringen und Kooperationen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung anzubahnen. Yun Yue ging außerdem auf die aktuelle Situation der Pflegeausbildung in China ein. Der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften wächst in China angesichts der alternden Bevölkerung. Ende 2025 waren rund 320 Millionen Menschen in China 60 Jahre oder älter. Bis 2030 könnte ihre Zahl auf 380 Millionen steigen. Gleichzeitig gibt es derzeit rund 500.000 beruflich qualifizierte Altenpflegekräfte. Ein Bericht aus dem Jahr 2025 prognostiziert für die kommenden fünf Jahre einen Mangel von mehr als fünf Millionen Pflegekräften.
Kathleen Meinhold, Geschäftsführerin von FUU Sachsen, sprach in ihrer Keynote über Erfahrungen, Erfolge und Perspektiven des Wissenstransfers in der deutsch-chinesischen Pflegeausbildungskooperation. Sie stellte unter anderem Projekte in der Altenpflegeausbildung und zur Qualifizierung chinesischer Lehrkräfte vor. Dazu gehörte auch das seit 2019 im Auftrag des chinesischen Bildungsministeriums durchgeführte "China Overseas Training Project for TVET Innovation Team", in dessen Rahmen bereits mehr als 240 chinesische Lehrkräfte von FUU Sachsen geschult wurden. Dabei hob sie hervor, dass Wissenstransfer keine Einbahnstraße sei, sondern einen gemeinsamen Lernprozess erfordere. Nachhaltige Zusammenarbeit brauche neben der Vermittlung von Wissen auch Anpassung und Umsetzung vor Ort. Darüber hinaus sieht sie in China großes Entwicklungspotenzial für die Ausbildung im Bereich der ambulanten und gemeindenahen Pflege.
Martina Wagner, Deputy Senior Vice President der Business Unit International bei WBS Training, präsentierte Erfahrungen, Erfolgsfaktoren und Kooperationsmodelle aus der Praxis. Sie betonte, dass Altenpflege eine ganzheitliche Begleitung älterer Menschen bedeutet. Dazu gehören nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch der Umgang mit Demenz und kognitiven Veränderungen sowie die Förderung sozialer Beziehungen und der Lebensqualität. Ihr Beitrag zeigte, wie eine Kooperation von der Anpassung der Lehrpläne und der Qualifizierung von Lehrkräften über die praktische Ausbildung bis hin zu Partnerschaften mit Pflegeeinrichtungen gestaltet werden kann. Das Modell sieht eine klare Zusammenarbeit zwischen deutschen Bildungspartnern, chinesischen Colleges und Pflegeeinrichtungen vor. Es erstreckt sich über drei Phasen - Grundlagen, Fachpraxis und Abschluss. Ziel ist es, tragfähige Strukturen aufzubauen, sodass die Schule langfristig eigenständig und stabil weitergeführt werden kann.
Luo Xusangzi, Managerin des internationalen Kooperationsprogramms bei Sinalingua e.K., stellte praxiserprobte Erfahrungen der deutschen Pflegeberufsbildung vor. Im Mittelpunkt standen die Orientierung an realen Arbeitssituationen und der Aufbau beruflicher Handlungskompetenz. Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz könnten Pflegeprozesse unterstützen, betonte Luo, sollten jedoch nicht das professionelle Urteil ersetzen. An Beispielen aus der Demenzpflege und der praktischen Ausbildung veranschaulichte sie zudem, wie eine personenzentrierte Pflege und realitätsnahe Lernumgebungen in der Ausbildung gestärkt werden können. Luo betonte, dass Deutschland und China unterschiedliche Stärken in die Zusammenarbeit einbringen können: deutsche Erfahrungen in der Altenpflege und beruflichen Handlungskompetenz sowie Chinas Expertise in der Traditionellen Chinesischen Medizin und Digitalisierung.
Diskussion und Abschluss
Im anschließenden Q&A hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich fachlich auszutauschen. Dabei ging es unter anderem darum, wie deutsche Ausbildungskonzepte an die lokalen Rahmenbedingungen angepasst und vor Ort umgesetzt werden können, ob Pflegeausbildungen in Deutschland auch ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern offenstehen und wie ausländische Abschlüsse anerkannt werden. Zudem wurde gefragt, wie sich die Dauer und die einzelnen Phasen der Programme mit dem chinesischen Studienverlauf und den dort vorgesehenen Praktika vereinbaren lassen.